Die Anfrage klingt oft ähnlich. „Bei uns im Team ist die Stimmung nicht gut. Wir dachten an einen Tag gemeinsam draußen, Klettern oder Rafting. Können Sie so etwas organisieren?“
Ich könnte. Ich bin ausgebildeter Outdoortrainer, und ich mag diese Formate. Trotzdem frage ich an dieser Stelle fast immer zurück: Was genau ist mit „Stimmung nicht gut“ gemeint?
Meistens kommt dann etwas anderes zum Vorschein. Zwei Kolleginnen reden seit dem letzten Umbau nur noch das Nötigste miteinander. Die neue Teamleitung wurde von außen geholt, obwohl sich jemand im Team Hoffnungen gemacht hatte. Oder es ist seit Monaten unklar, wer eigentlich die Urlaubsplanung macht, und alle ärgern sich still übereinander.
Für keines dieser Probleme ist ein Hochseilgarten die Lösung. Ein gemeinsamer Tag kann gute Laune machen und daran erinnern, dass man sich eigentlich mag. Das ist nicht wenig. Aber am Montag sitzen dieselben Leute wieder vor demselben ungeklärten Thema, und nach zwei Wochen ist die Stimmung dort, wo sie vorher war. Manchmal sogar schlechter, weil jetzt der Eindruck dazukommt, es sei „eh schon etwas gemacht worden“.
Was stattdessen hilft, ist weniger spektakulär. Man setzt sich zusammen, mit genug Zeit und mit jemandem, der das Gespräch führt, ohne Partei zu sein. Dann wird über das geredet, worüber bisher nicht geredet wurde: wer wofür zuständig ist, wer sich übergangen fühlt, welche Erwartungen nie ausgesprochen wurden. Das ist unangenehmer als Klettern. Es dauert länger. Und am Ende braucht es Vereinbarungen, die auch dann noch gelten, wenn es im Alltag wieder hektisch wird.
Heißt das, Teamevents sind sinnlos? Nein. Wenn ein Team gut funktioniert und sich etwas Gutes tun will, ist ein Tag draußen eine schöne Sache. Und nach einer echten Klärung kann so ein Tag sogar helfen, das Neue zu festigen. Entscheidend ist die Reihenfolge: zuerst klären, dann feiern.
Eine einfache Frage hilft bei der Entscheidung. Stellen Sie sich vor, alle gehen nach dem Event zufrieden nach Hause. Was wäre am Montag anders? Wenn Ihnen darauf keine Antwort einfällt, brauchen Sie wahrscheinlich eher ein Gespräch als einen Ausflug.
Wie ich Teams in solchen Situationen begleite, lesen Sie unter Teamentwicklung.
