In der Pflege, in der Sozialarbeit und in der Beratung ist die wichtigste Ressource die Person selbst. Eine Pflegekraft kann ihre Geduld nicht in der Garderobe abgeben, eine Sozialarbeiterin ihr Mitgefühl nicht im Spind einsperren. Die Beziehung zu den Klientinnen ist hier das eigentliche Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug nutzt sie sich ab, wenn niemand darauf schaut.
Wo die Belastung hingeht
Was eine Mitarbeiterin im Kontakt mit Klientinnen erlebt, bleibt selten bei ihr. Das Gespräch mit einer Mutter, der gerade das Kind abgenommen wurde. Die Bewohnerin, die jeden Abend nach ihrem verstorbenen Mann fragt. Der Klient, der beim letzten Termin laut geworden ist. Solche Erlebnisse wandern ins Team, meistens ohne dass es jemand bemerkt.
Sie zeigen sich als Gereiztheit bei der Dienstübergabe, als Rückzug, als Streit über Kleinigkeiten wie die Kaffeekasse oder den Dienstplan. Manchmal auch als stille Übereinkunft, über bestimmte Fälle lieber nicht mehr zu reden. Von außen sieht das aus wie ein Teamkonflikt. Tatsächlich trägt das Team eine Last, die gar nicht aus dem Team stammt.
In der Supervision gibt es dafür den Begriff Spiegelungsphänomen: Muster aus der Arbeit mit Klientinnen wiederholen sich in der Zusammenarbeit der Kolleginnen. Ein Team, das mit hochstrittigen Familien arbeitet, streitet plötzlich selbst auffallend viel. Wer das einmal erkannt hat, kann anders damit umgehen.
Was in der Supervision passiert
Supervision ist ein fester Termin außerhalb des Tagesgeschäfts, an dem genau das Platz hat. Je nach Setting arbeiten wir an konkreten Fällen. Was ist in diesem Gespräch passiert? Warum lässt es mich nicht los? Was würde ich beim nächsten Mal anders machen? Oder wir schauen auf das Team selbst: Wer trägt gerade was, wo verschwimmen Rollen und Grenzen, welche Spannung hat eigentlich eine andere Ursache?
Das entlastet, und es verbessert die Arbeit. Wer einen schwierigen Fall einmal aus mehreren Blickwinkeln betrachtet hat, geht beim nächsten Mal anders hinein.
Was die Organisation dazu beiträgt
Ob Supervision wirkt, hängt stark davon ab, wie die Einrichtung sie versteht. Wo sie als Pflichttermin gilt, den man halt absitzt, bringt sie wenig. Wo sie als Zeichen gilt, dass jemand „es nicht schafft“, gehen die Leute gar nicht erst hin. Am besten funktioniert sie dort, wo die Leitung sie als selbstverständlichen Teil der Arbeit behandelt, so wie Fortbildung oder Dokumentation.
Dazu gehört Regelmäßigkeit. Eine Supervision nach einer Krise ist besser als keine. Teams, die sich alle vier bis sechs Wochen treffen, haben aber schon eine gemeinsame Sprache, wenn die Krise kommt.
Auch wirtschaftlich geht die Rechnung meist auf. Erschöpfungsbedingte Ausfälle, Kündigungen erfahrener Leute und die Einarbeitung von Ersatz kosten in aller Regel mehr als regelmäßige Supervision.
Ich begleite Teams und Einzelpersonen in Pflege, Sozialarbeit und Beratung. Mehr dazu unter Coaching & Supervision.
